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Reformvorschläge zur Stabilisierung der Sozialabgaben
Ein neuer Reformvorschlag vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zielt darauf ab, den Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge bis 2035 auf unter 40 Prozent zu begrenzen.
Ohne Gegenmaßnahmen droht ein Anstieg auf rund 50 Prozent – mit spürbaren Folgen für Nettoeinkommen, Arbeitsmarkt und Wirtschaft. Die Sozialversicherungsbeiträge in Deutschland liegen aktuell bei etwa 43 Prozent des Bruttogehalts. Das ZEW warnt vor den Konsequenzen: steigende Lohnkosten, sinkende Arbeitsanreize und Belastungen für Beschäftigte und Unternehmen.
Ein zentraler Vorschlag ist die Stärkung der hausarztzentrierten Versorgung. Versicherte sollen bei Facharztbesuchen ohne Überweisung einen Eigenanteil von pauschal 200 Euro oder 25 Prozent der Rechnungssumme zahlen. Dies soll unnötige Inanspruchnahme spezialisierter Leistungen reduzieren. Ergänzt werden soll dies durch ein Bonus-Malus-System: Präventive Maßnahmen wie Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen werden belohnt, während medizinisch fragwürdige Eingriffe höhere Zuzahlungen nach sich ziehen. Zudem könnten Steuern auf Tabak, Alkohol und Zucker gesundheitsschädliches Verhalten eindämmen.
Im Pflegebereich sieht das ZEW kaum Spielraum für direkte Kostensenkungen, da die Pflege arbeitsintensiv bleibt. Stattdessen setzt man auf den Einsatz neuer Technologien wie Robotik oder Künstliche Intelligenz, um die Produktivität zu steigern und Pflegekräfte zu entlasten. Gleichzeitig sollte eine gesellschaftliche Debatte über die Finanzierung angeregt werden – etwa durch stärkere Heranziehung privaten Vermögens oder eine moderate Erhöhung der Mehrwertsteuer, um Eigenanteile zu begrenzen.
Das ZEW plädiert für eine Anpassung der Regelaltersgrenze an die steigende Lebenserwartung. Ergänzend schlägt das Institut eine „Berufsgruppenrente“ vor, die Menschen in körperlich anspruchsvollen Berufen einen früheren, sozial abgesicherten Ausstieg ermöglicht. Diese könnte an die bestehende Grundrente angelehnt werden.
Für Versicherte könnten die Reformen sowohl Chancen als auch Herausforderungen bedeuten: Höhere Eigenbeteiligungen bei bestimmten Leistungen könnten die Beiträge stabilisieren, aber auch die private Vorsorge und gesundheitsbewusstes Verhalten stärker in den Fokus rücken. Eine moderate Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Finanzierung der Pflege würde die Sozialabgaben entlasten, aber den Konsum verteuern.