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Energiesparen in der Krise: Gut gemeinte Hinweise wirken oft nicht
Während der Gaskrise 2022/23 setzten Politik und Energieversorger auf verhaltenspsychologische Anstöße, um Haushalte zum Gassparen zu motivieren. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch: Solche Maßnahmen helfen nur begrenzt – und können sogar das Gegenteil bewirken.
In der Energiekrise 2022/23 stiegen die Gaspreise stark an, und viele Haushalte versuchten, ihren Verbrauch zu reduzieren. Eine gemeinsame Studie des ZEW Mannheim, der Universität Paderborn und der Vrije Universiteit Amsterdam hat untersucht, ob gezielte Hinweise – sogenannte „Nudges“ – Haushalte zusätzlich zum Sparen motivieren können. Dazu wurden knapp 2.600 Haushalte in einem Feldexperiment begleitet. Die Ergebnisse fallen ernüchternd aus: Soziale Vergleiche und Erinnerungsschreiben zeigen nur geringe Wirkung und können in manchen Fällen sogar zu einem höheren Verbrauch führen.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass der Vergleich des eigenen Gasverbrauchs mit dem anderer Haushalte ambivalente Effekte hat. Haushalte, die erfuhren, dass sie bereits mehr sparen als der Durchschnitt, reduzierten ihre Sparbemühungen anschließend oft. Offensichtlich führten sie ihr bisheriges Verhalten auf die Rückmeldung hin als ausreichend ein – und sahen keinen weiteren Handlungsbedarf. Umgekehrt motivierte die Information, weniger als andere zu sparen, die meisten Haushalte nicht ausreichend, um ihren Verbrauch spürbar zu senken.
Auch schriftliche Erinnerungen an selbst gesetzte Sparziele brachten kaum nachweisbare Erfolge. Zwar ließen sich in einigen Berechnungen Einsparungen von etwa einem Prozentpunkt erkennen, statistisch belastbar sind diese Ergebnisse jedoch nicht. Zudem zeigte sich in begleitenden Befragungen, dass viele Haushalte ihre eigenen Sparmöglichkeiten überschätzten oder geplante Maßnahmen – wie die Anschaffung wassersparender Duschköpfe oder die Verbesserung der Wärmedämmung – nicht umsetzten. Die Lücke zwischen guter Absicht und tatsächlichem Handeln („Intention-Action-Gap“) blieb also bestehen.
Die Studie macht deutlich, dass verhaltenspsychologische Ansätze allein keine zuverlässige Lösung darstellen, um den Energieverbrauch in Krisenzeiten zu senken. Zwar können gezielte Hinweise in manchen Fällen helfen, doch ihr Erfolg hängt stark von der individuellen Situation und der Art der Ansprache ab. Die Autoren betonen, dass solche Maßnahmen sorgfältig geplant und auf die Zielgruppe abgestimmt werden müssen – und nicht als universell wirksames Instrument betrachtet werden dürfen.