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27.10.2026

Was treibt „Sensation Seeker“?

Menschen mit ausgeprägtem Hang zum Nervenkitzel reagieren nicht nur stärker auf neue Reize, sondern auch anders auf deren ungewissen Zeitpunkt. 

Menschen unterscheiden sich darin, wie stark sie neue und aufregende Erfahrungen suchen. Dieses als „Sensation Seeking“ bezeichnete Persönlichkeitsmerkmal wird häufig mit einem besonders hohen Bedürfnis nach intensiven Reizen erklärt. Nach den Ergebnissen einer Studie unter maßgeblicher Beteiligung der TU Darmstadt ist jedoch auch entscheidend, ob der Zeitpunkt eines Reizes vorhersehbar ist.

Die Forschenden untersuchten in zwei Experimenten, wie Teilnehmende zwischen Optionen mit unterschiedlich hoher Wahrscheinlichkeit für einen sensorischen Reiz wählten. Computermodelle ermöglichten es, die Wertschätzung des Reizes von der Reaktion auf die Unsicherheit zu unterscheiden.

Personen mit stärkerem Hang zum „Sensation Seeking“ ließen sich insgesamt weniger von ungewissen Reizen abschrecken. Das hing allerdings davon ab, wie wichtig ihnen die jeweilige Stimulation war. War ihnen der Reiz weniger bedeutsam, entschieden sie sich häufiger für unvorhersehbare Optionen. Schätzten sie ihn besonders stark, bevorzugten sie eher vorhersehbare Reize. Zudem erkundeten sie ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten, waren damit aber insgesamt etwas weniger zufrieden.

Die Studie unterscheidet das „Sensation Seeking“ außerdem von Impulsivität. Obwohl beide Merkmale mit riskantem Verhalten verbunden sein können, mieden impulsive Personen unsichere Reize im Experiment eher. Menschen mit einem hohen Bedürfnis nach neuen Erfahrungen gingen dagegen vergleichsweise offener mit Unsicherheit um.

Die Ergebnisse können helfen, Entscheidungen in Situationen zu erklären, in denen Risiko, Unsicherheit und mögliche Gewinne zusammentreffen. Dazu zählen beispielsweise Glücksspiele, aber auch bestimmte Anlageentscheidungen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher kann es deshalb sinnvoll sein, die eigene Risikobereitschaft und die Wirkung unsicherer Gewinnversprechen kritisch zu prüfen. Versicherungen können finanzielle Folgen bestimmter Risiken absichern, ersetzen jedoch keine realistische Einschätzung des eigenen Entscheidungsverhaltens.