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Zahlungen der Pharmaindustrie und ärztliches Verschreibungsverhalten
Ärztinnen und Ärzte, die Zuwendungen von Pharmaunternehmen erhalten, verschreiben laut einem neuen Cochrane-Review häufiger Medikamente und halten sich seltener an medizinische Leitlinien.
Ein internationales Forschungsteam hat für den Cochrane-Review 93 Studien ausgewertet. Die meisten untersuchten Zahlungen und Geschenke an verordnende Fachpersonen, darunter Essenseinladungen, Reisekosten sowie Beratungs- und Vortragshonorare. In den Studien verschrieben Empfängerinnen und Empfänger solcher Zuwendungen häufiger Medikamente und weniger oft leitliniengerecht. Auch höhere Arzneimittelkosten waren wahrscheinlich mit den Zuwendungen verbunden.
Bei 49 von 62 Studien zu Geschenken und Zahlungen zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Umfang der Zuwendung und Verschreibungsverhalten: Je häufiger oder wertvoller die Leistungen waren, desto stärker fiel der beobachtete Effekt aus. Auch geringwertige Zuwendungen wie bezahlte Mahlzeiten gingen mit Veränderungen einher. Besuche von Pharmareferentinnen und -referenten könnten die Zahl der Verordnungen ebenfalls erhöhen. Zu kostenlosen Arzneimittelmustern reicht die Studienlage dagegen nicht für verlässliche Schlussfolgerungen.
Die Autorinnen und Autoren warnen vor einer direkten Übertragung auf Deutschland: 82 der 93 Studien stammen aus den USA, deren Gesundheitssystem sich von dem deutschen unterscheidet. Zugleich zeigen die wenigen Studien aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden eine ähnliche Richtung. Die einzige deutsche Studie im Review untersuchte Anwendungsbeobachtungen. Ärztinnen und Ärzte, die daran teilnahmen, verordneten das jeweils beobachtete Medikament häufiger als vergleichbare Ärztinnen und Ärzte ohne Teilnahme.
Die Ergebnisse belegen nicht abschließend, dass die Zuwendungen die Veränderungen verursachen. Fast alle einbezogenen Untersuchungen waren Beobachtungsstudien, und keine untersuchte, wie sich die Verschreibungsmuster auf die Gesundheit der Patientinnen und Patienten auswirkten.
Für Versicherte ist der mögliche Kostenbezug dennoch relevant: Wenn häufiger und weniger leitliniengerecht verordnet wird, kann das die Arzneimittelausgaben beeinflussen. Wie groß ein solcher Effekt in Deutschland ist, lässt sich aus dem Review nicht beziffern.