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09.06.2026

Soziale Gruppenzugehörigkeit prägt Meinungen in sozialen Medien stärker als Argumente

Nutzer:innen vertrauen Beiträgen aus Gruppen, mit denen sie sich identifizieren, selbst wenn diese keinen inhaltlichen Bezug zum Thema haben.

Eine neue Untersuchung an der Universität Hohenheim kommt zu einem aufschlussreichen Ergebnis: In sozialen Medien hängt die Glaubwürdigkeit einer Aussage oft weniger von den Argumenten ab als davon, wer sie äußert. Menschen neigen dazu, Beiträgen aus Gruppen, mit denen sie sich verbunden fühlen, mehr Vertrauen zu schenken – selbst wenn diese Gruppen keinen direkten Bezug zum diskutierten Thema aufweisen.

Der tatsächliche Einfluss auf die politische Meinung hängt von zwei Faktoren ab: Erstens muss die eigene Gruppe im Feed die Mehrheit bilden. Ist sie nur in der Minderheit vertreten, lässt sich kein solcher Effekt nachweisen. Zweitens zeigt sich der Einfluss vor allem bei Personen, die sich nur wenig für das behandelte Thema interessieren. Wer sich intensiver damit beschäftigt, bleibt von den Gruppeneffekten weitgehend unbeeinflusst.

Die Ergebnisse der Studie werfen wichtige Fragen zur Qualität politischer Meinungsbildung in sozialen Medien auf. Plattformen bevorzugen in personalisierten Feeds häufig Inhalte von Personen und Gruppen, mit denen Nutzer:innen bereits verbunden sind. Dadurch entstehen Bedingungen, die besonders für diejenigen problematisch sind, die Nachrichten beiläufig konsumieren, ohne sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen. Dabei braucht es keine abgeschlossenen Filterblasen, um politische Einstellungen zu beeinflussen: Es genügt, wenn Menschen überwiegend mit Stimmen konfrontiert werden, denen sie sich sozial verbunden fühlen.

Für Verbraucher:innen, insbesondere im Kontext von Versicherungen, könnte dies bedeuten, dass auch hier soziale Gruppenzugehörigkeiten die Wahrnehmung von Informationen beeinflussen und dafür sorgen, dass bestimmte Meinungen unkritisch übernommen werden – selbst wenn diese nicht immer sachlich fundiert sind. Ein bewusster Umgang mit Informationen und eine kritische Reflexion sind daher besonders wichtig.